Deshalb lohnen sich pDL für Apotheken
Shownotes
Seit 2022 haben Patient:innen gesetzlichen Anspruch auf neue pharmazeutische Dienstleistungen (pDL), die von den Krankenkassen bezahlt werden. Eine Win-win-Situation für Apotheken und Patient:innen. Trotzdem bieten viele Apotheken noch keine pDL an. Dabei würden sie helfen, das heilberufliche Profil und die Vor-Ort-Apotheke zu stärken, die Kundenbindung zu fördern und die Zufriedenheit unter Mitarbeiter:innen zu erhöhen. Dr. Katja Renner ist Apothekerin, Referentin und Vorstandsmitglied der Apothekerkammer Nordrhein. Im Gespräch mit Host Axel Schwarz erklärt sie, wie pDL dabei helfen können, Medikationsfehler zu vermeiden und warum man die Unterschrift für die erbrachten Leistungen nicht fürchten sollte.
Weitere Infos und Links:
- pDL Campus der ABDA: www.abda.de/pharmazeutische-dienstleistungen/
Der Podcast „Impact“ schaut auf wichtige Themen, die alle Apotheken-Teams betreffen. Acht Folgen lang dreht sich alles rund um das Thema Medikationsfehler – und wie sie sich vermeiden lassen. Dafür spricht der approbierte Apotheker Axel Schwarz mit Expert:innen, Praktiker:innen und Entscheider:innen aus dem Gesundheitsbereich.
„Impact“ beleuchtet Medikationsfehler aus unterschiedlichen Richtungen – mit Tiefgang und mit Blick auf die Fragen, die sich Apotheken-Teams oft stellen: Wie kommuniziere ich am besten mit meinen Patient:innen? Wie können Apotheken und Arztpraxen sinnvoll und produktiv zusammenarbeiten? Und wie können technische Neuerungen wie die ePA dabei helfen, Medikationsfehler zu vermeiden?
Neue Folgen erscheinen alle 14 Tage immer dienstags überall, wo es Podcasts gibt und auf gesundheit-hören.de. Dort findet ihr auch weitere Gesundheitspodcasts.
Habt Ihr Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreibt uns gerne an redaktion@gesundheit-hoeren.de
Das Team hinter „Impact“:
Host: Axel Schwarz
Redaktion Avoxa Content Service: Hanke Huber;
Aufnahme, Regie, Postproduktion: Constanze Radnoti, Yves Seißler;
Musik: Benedikt Möltner, Yves Seißler;
Fachliche Beratung: Prof. Dr. Kai Kolpatzik;
Chefredakteur: Peter Glück
[ANZEIGE] Mehr über die Angebote unserer aktuellen Werbepartner gibt’s unter https://www.apotheken-umschau.de/podcast/partner
Wie wir arbeiten: https://www.apotheken-umschau.de/ueber-uns/
Alle Aussagen und Inhalte entsprechen dem aktuellen Wissens- und Kenntnisstand, der Veränderungen unterliegt.
Transkript anzeigen
DR. KATJA RENNER
Wir können ja diese Rabattaktionen, diese Schlachten nicht mitschlagen. Wir haben so viele Regulatorien, aber wir können durch den persönlichen Kontakt die Patienten halten.
AXEL SCHWARZ
Eigentlich ist es ja genau das, was ich in der Apotheke will. Ich berate mit meiner pharmazeutischen Kompetenz und bekomme diese Beratung auch noch bezahlt. Eigentlich doch sehr gut. Seit 2022 ist das auch relativ einfach möglich über die pharmazeutischen Dienstleistungen, die pDLs. Doch warum nutzen viele Apotheken diese Möglichkeit nicht, wo sie doch so viele Vorteile bietet? Vom Aufdecken von Medikationsfehlern, über die Patientenbindung, Mitarbeiterzufriedenheit und gleichzeitig auch noch die finanzielle Möglichkeit, diese Dienstleistungen abzurechnen. Mein Name ist Axel Schwarz, ich bin Apotheker und freue mich auf das heutige Thema ganz besonders, denn es ist für unsere tägliche Arbeit am HV so wichtig und relevant. Und zu dem Thema rund um die pharmazeutischen Dienstleistungen habe ich heute eine Expertin an meiner Seite, die das Thema wirklich Tag für Tag lebt. Sie ist Apothekerin im Medizinzentrum in Heinsberg. Sie sitzt im Vorstand der Kammer Nordrhein und ist als Referentin auch viel unterwegs. Die Rede ist von Dr. Katja Renner. Hallo Katja.
DR. KATJA RENNER
Hallo Axel. Danke für die Einladung.
AXEL SCHWARZ
Schön, dass Du dabei bist.
SPRECHER
Impact – der Podcast für die Apotheke. Von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.
AXEL SCHWARZ
Katja, aber jetzt mal vorneweg. Du wolltest doch eigentlich gar nicht Apothekerin werden?
DR. KATJA RENNER
Du hast vollkommen recht. Das war gar nicht mein Ziel. Ich bin wohl apothekerlich vorbelastet. Mein Vater hatte eine Apotheke, aber eigentlich wollte ich Lehrerin oder Journalistin werden und damals waren die Berufsaussichten für Journalisten und für Lehrer irgendwie schlecht und was blieb's dann? Dann wurde man als Frau irgendwie Apothekerin, weißt Du? Also einfach vorbelastet und ein idealer Frauenberuf, mit Familie vereinbar, helfend, fürsorglich, aber naturwissenschaftlich.
AXEL SCHWARZ
Aber so, wie ich dich erlebe und das kann ich ja verraten, wir kennen uns jetzt schon 'n bisschen, ist es ja wirklich so, dass jetzt hast Du, wenn ich’s so sage, hast Du ja da doch dein Herzensprojekt gefunden, so wie Du Apotheke lebst und es nach außen trägst.
DR. KATJA RENNER
Ja, das ist korrekt. Also ich geh natürlich regulär in eine Apotheke als Apothekerin, als Approbierte zu meiner Arbeit und berate Patientinnen und Patienten, lege artis am HV, aber ich bin eben als Referentin unterwegs, schreibe Artikel für Fachzeitschriften und so ist eigentlich die Pharmazie das Instrument für mich geworden, die Dinge, die ich eigentlich immer machen wollte, Menschen motivieren, Menschen was erklären, Menschen begeistern und vielleicht was dazu schreiben, das auch umzusetzen.
AXEL SCHWARZ
Die Motivation hast Du unter anderem auch sehr stark in die pDLs gepackt und in die Promotion sozusagen, also das nach außen tragen und Motivieren der Teams. Was ist denn da dein entscheidender Satz? Warum sollen Apothekenteams pDLs anbieten?
DR. KATJA RENNER
Na ja, mein erster entscheidender Satz ist einfach anfangen, einfach machen. Es könnt schon gut werden, das ist so mein Motto, Aber warum sollten wir es machen? Wir sollten es unbedingt machen, weil wir uns heilberuflich aufstellen müssen als Apothekerinnen und Apotheker, weil alleine das Leben nur von der Packung und die Abgabe der Packung und das Beliefern von Rezepten, glaube ich, nicht zukunftsträchtig ist, sondern dass unser heilberufliches Profil geschärft werden muss und das können wir ganz genau mit den pharmazeutischen Dienstleistungen tun.
AXEL SCHWARZ
Die pharmazeutischen Dienstleistungen, so erleb sich jedenfalls immer wieder am HV, sind natürlich auch ein wunderbarer Einstieg ins persönliche Gespräch, unter anderem um Medikationsfehlern auf die Schliche zu kommen, aber sicherlich auch, um überhaupt mit den Patientinnen und Patienten ganz andere Ebenen im Beratungsgespräch zu erreichen. Gibt's irgendwie so ein schlagendes Beispiel, das Du für dich immer so im Hinterkopf hast, wenn Du sagst, hey, pDLs sind so wichtig?
DR. KATJA RENNER
Ja, also ganz einfach erstmal, für jeden und jede pharmazeutische Kraft zu erbringen, sind die Inhalativa zu schulen. Also es gibt ja die kleine pharmazeutische Dienstleistung „Schulung der Inhalationstechnik“. Die kann jeder im HV erbringen, also der pharmazeutisches Personal ist, dazugehört, und da erleben wir so viele Fehler, dass die Asthmatiker COPDler die Geräte nicht richtig bedienen können, nicht richtig anwenden können und dann ist natürlich auch die Therapie nicht sichergestellt. Das heißt also, das ist jetzt so was ganz Niederschwelliges, ist so beratungsintensiv und gut und aber das, was wir auch früher zum Teil getan haben, noch mal ein bisschen intensiver und besser didaktisch aufbereitet und dann kriegen wir dafür auch noch eine Honorierung. Ich glaube, das sollte Motivation genug sein, Benefit für den Patienten, Benefit für die Apotheke. Also deswegen sollte diese Dienstleistung regelhaft routinemäßig in allen Apotheken erbracht werden und da sieht man wirklich dolle Fehlerquellen.
AXEL SCHWARZ
Ja, bei den Inhalativa ist es ja wirklich dann auch schön, weil man was an der Packung dann auch immer gleich so schön vormachen kann, wenn man die so in der Hand hält und schüttelt und dann sieht, wie Patientinnen und Patienten das falsch machen können. Teilweise krasse Sachen, die man da dann sieht oder?
DR. KATJA RENNER
Ja, also ich fand, das war zum Beispiel auch mal lustig. Da hatte ich also einen Patienten, der Inhalationskapseln bekam, die eigentlich in diesen Pulver-Inhalator hineingelegt werden sollten. Pack die Packung auf und dann sagt er wieso, warum wollen Sie mir da jetzt irgendwas erklären? Das sind doch Kapseln, die muss man doch schlucken und der wusste also dann noch nicht mal, wofür das Plastikteil dann da war, ja, für die eigentliche Inhalation. Also sowas zum Beispiel, das erlebt man dann.
AXEL SCHWARZ
Ja, aber einfach klassisches Beispiel wirklich, einfach um sich immer wieder auch neu zu motivieren, zu sagen, hey, also auch wenn's jetzt vielleicht schon das zehnte Mal heute ist, es kann eben genau diesen, ja, diese Auswirkungen, diesen Impact bringen.
DR. KATJA RENNER
Ja, absolut und weißt Du, es ist auch so, die Patienten sind auch so dankbar. Das eine ist, ich sehe 'n Fehler und korrigier den und kann jetzt über meine Beratung diese Anwendung sicherstellen, aber das andere ist eben, dass die Menschen auch so dankbar sind, wenn man sich etwas mit Ihnen beschäftigt hat, dass sie auf einmal sagen, Mensch, Frau Renner, vielen Dank, dass Sie das gemacht haben. Das hat mir noch keiner so erklärt. Das ist ja toll und das gibt ja auch echt Berufszufriedenheit, ne. Und ich hatte jetzt zum Beispiel, mal ganz aus der anderen Dienstleistung, kann ich auch vielleicht mal kurz erzählen, da ging's die Blutdruckmessung, da war eine Patientin, die kriegte Blutdruckmittel und ich sagte so, Mensch, wie ist denn Ihr Blutdruck? Wie sind Sie denn eingestellt? Da sagt sie, ach, ich weiß gar nicht, können Sie mal messen? Und dann haben wir gemessen und dann war der Wert irgendwie 180 zu 110, also wirklich deutlich zu hoch und dann habe ich diese Patientin also auch direkt zum Arzt geschickt. Das war freitags, freitags morgens, 10 Uhr. Ja und dann kam sie montags wieder und sagte, ich wollt mich noch mal bei Ihnen bedanken, dass Sie dann ja auch den Blutdruck gemessen haben, dass Sie mich angesprochen haben. Die Ärztin sagte auch, das wär ja wichtig gewesen, es hätte am wichtig gewesen, es hätte am Wochenende auch irgendwie schiefgehen können und ja, dann hat sie's angepasst und ja, so war die eben auch sehr dankbar. Da tut man echt auch viel Gutes.
AXEL SCHWARZ
Du hast das Wort Berufszufriedenheit grade angesprochen. Ein Wert, der ja eigentlich, finde ich, grade auch in der Motivation für mich selber, aber auch innerhalb von Teams unbezahlbar ist. Dieses Gefühl kennt ja eigentlich auch jeder von uns, der in der Apotheke arbeitet. Warum ist das nicht Trigger genug, jedes Mal eine pDL an den Mann, an die Frau zu bringen?
DR. KATJA RENNER
Ich glaube, das muss durch das gesamte Team gehen und es gibt natürlich Kolleginnen und Kollegen, die so ne intrinsische Motivation haben, die das vielleicht auch selbst wollen, die dann so ne Schulung gemacht haben, noch mal dazu angesteckt sind und sagen, Mensch, das möchte ich machen. Aber ich erleb eben auch Kolleginnen und Kollegen, die dann mir 'n Feedback geben und sagen, Mensch, Frau Renner, ich fand das so toll in ihrem Seminar und das hat auch begeistert, aber wissen Sie was? Dann hat mein Chef oder hat meine Chefin gesagt, da haben wir keine Zeit zu, das muss hier alles schneller gehen und also den Luxus von irgendwelchen Zusatzberatungen und Dienstleistungen, das können wir uns eigentlich gar nicht erlauben. Wir haben zu wenig Mitarbeiter. Wir müssen jetzt schnell machen und ja, und dann stirbt auf einmal diese Motivation und was mir manchmal leidtut, ist, dass diese Apothekenleiter oder Apothekenleiterinnen dann sich eigentlich selbst in den Finger schneiden, denn ich glaube, diese Motivation und die Begeisterung, sich um Patientinnen und Patienten zu kümmern, bindet ja auch die Kunden und grade in der heutigen Zeit im Bezug auf die Apothekenversender, die es gibt, ist es unglaublich wichtig, insbesondere die Chroniker auch in den Apotheken zu halten und wenn es nicht die persönliche Beratung ist, was tut es dann? Das ist der absolute Mehrwert, den wir erbringen und wenn die Mitarbeiter begeistert Menschen in der Apotheke vor Ort halten, dann ist das beste Kapital und wenn sie dann auch noch Bock haben, diese Arbeit zu tun und auch zufrieden sind, diese Arbeit zu tun, obwohl sie eben ja auch nicht glorreich bezahlt werden können, ja, besser geht's gar nicht. Also das ist eigentlich Dummheit, diese Motivation zu zerstören.
AXEL SCHWARZ
Ich hab's nämlich auch genau schon andersrum erlebt, auch dass eine Apotheke durch das aktive Anbieten von pDLs Mitarbeiterinnen gewonnen hat und die dann gesagt haben, hey, da kriege ich Raum, da wird mir diese Zeit gegeben. Ich muss dann natürlich irgendwie diese Unterschrift kriegen, ja. Das ist ja auch mal eine, kommen wir vielleicht gleich noch drauf, wie man das elegant lösen kann, aber das fand ich dann eben auch ja in den Gesprächen mit den Führungskräften in der Apotheke so wahnsinnig interessant, das auch mal so rumzusehen. Also neben der Patientenzufriedenheit, grade bei den Chronikern, wie Du angesprochen hast, aber im zweiten Schritt dann einfach auch die Mitarbeiterzufriedenheit dadurch so krass nach oben zu drehen. Erlebst Du auch so?
DR. KATJA RENNER
Ja, Axel, und da kann ich dir zu erzählen, ich bin auch als Referentin im praxisbegleitenden Unterricht bei den Pharmazeuten im Praktikum hier bei uns in Nordrhein und wenn wir dann die jungen Leute, die jungen Pharmazeuten befragen, dann sagen ungefähr nur noch 30 Prozent, dass sie in die öffentliche Vor-Ort-Apotheke wollen. Was aber alle sagen, ist, wenn ich in die öffentliche Vor-Ort-Apotheke will, dann nur, wenn ich pharmazeutische Dienstleistungen erbringen darf, wenn dort geimpft wird, wenn da die pharmazeutischen Dienstleistungen stattfinden. Und es ist quasi Knockout Kriterium für eine Apotheke, wenn sie die nicht erbringt, dann wollen die jungen Leute nicht mehr in so einer Apotheke arbeiten. Das ist für sie nicht mehr attraktiv und ich glaube, das muss man sich klarmachen, dass der Berufsnachwuchs das auch will.
AXEL SCHWARZ
Ich hatt's vorher schon son bisschen angesprochen, weil das ist ja auch für den einen oder anderen noch eine ganz schön große Hürde beziehungsweise ich hab's in einer Apotheke erlebt, wo ich glaube, es waren vier Unterschriften, die der Patient leisten musste und ich glaube, es müssen nicht ganz so viele sein, aber kannst Du da vielleicht noch mal aus deiner grade auch Referenten Tätigkeit so die ideale Herangehensweise für diese, ja, emotionale Hürde, dass ich eine Unterschrift dafür bekomme, damit das jetzt auch Geld für mich bringt. Das ist ja in der Apotheker DNA nicht ganz so verankert. Wie komme ich da leicht hin?
DR. KATJA RENNER
Also erst mal möchte ich erinnern, dass keiner Probleme hat, sich eine Unterschrift geben zu lassen, wenn er Pflegehilfsmittel abrechnet oder wenn er einen Vortex, ein Hilfsmittel irgendwie auf Rezept beliefert. Ich glaube, jeder kennt das und jeder kann einfach sagen, geben Sie mir bitte die Unterschrift oder darf ich Sie bitten mal eben zu unterschreiben und mit der größten Selbstverständlichkeit holen alle Kolleginnen und Kollegen diese Unterschrift ein, weil sie wissen, wenn sie das nicht tun, dann kriegen wir kein Geld. So, also können wir das an für sich alle. Jetzt besteht bei dem ein oder anderen im Kopf die Hürde zu sagen, Mensch, also eine Unterschrift für Beratung, das ist ja irgendwie komisch. Das hab ich nie gemacht und das ist irgendwie so, als würde ich irgendwie was verkaufen. Das ist ja der Patient gar nicht gewöhnt, also hab ich da Schwierigkeiten und eigentlich ist diese Hürde in unserem Gehirn und nicht bei den Patientinnen und Patienten. Also ich kann das, ich schaff es immer, diese Unterschrift zu bekommen und jetzt ist eben die Frage, mit welcher Selbstverständlichkeit holt man diese Unterschrift rein? Erkläre ich fünf Minuten Dinge zum Datenschutz, mach es kompliziert, sage genau, was abgerechnet wird und verunsichere mit dieser Sache vielleicht den Patienten oder ich schule die Inhalationstechnik oder der Patient hat einen Termin bei mir zur Medikationsberatung und ich sage ganz selbstverständlich, seien Sie so gut, wir haben hier die kleine Minischulung gemacht, würden Sie mir zur Dokumentation für die Krankenkasse einmal hier die beiden Unterschriften geben. Das geht um den Datenschutz und das geht auch darum, dass ich diese Leistung wirklich Ihnen erbracht hab, dass wir die Schulung wirklich gemacht haben. Einmal hier und einmal hier bitte. Und am besten ist es auch, wenn diese Unterlagen zur Unterschrift griffbereit sind. Das heißt also, nicht noch irgendwo weglaufen, ausdrucken und holen, sondern im Grunde direkt müssen diese Papiere unterm HV liegen, unterm HV-Tisch, die muss man sofort rausholen und einfach ganz selbstverständlich hinlegen und um diese Unterschrift bitten. Oder bei der Medikationsberatung ist es bei mir so, wenn die Patientinnen oder Patienten kommen und wir sind im Beratungsraum, die nehmen Platz, dann sage ich immer, lassen Sie uns zu Beginn einmal die bürokratischen Sachen erledigen. Ich brauche von Ihnen mehrere Unterschriften, damit ich das mit Ihnen hier besprechen darf, damit ich das dokumentieren darf, damit ich hier diese Unterlagen abheften und auswerten darf und ich zeige Ihnen einmal, ich bräuchte hier und hier und hier eine Unterschrift und damit ich auch mit Ihrem Arzt Rücksprache nehmen darf, wenn irgendwas zu klären ist, bräuchte ich noch eine Unterschrift an dieser Stelle und dann sage ich meistens noch so und bitte haben Sie keine Sorge, Sie haben ja keine Waschmaschine gekauft. Das ist Bürokratie in Deutschland, Sie kennen das und jetzt haben wir das auch alles erledigt und jetzt kommen wir eigentlich zum Punkt.
AXEL SCHWARZ
Dieser Satz mit Bürokratie in Deutschland spätestens, da hat man die meisten dann. Ja, genau. Auch das Beispiel eben am HV mit 'nem kurzen, knappen Satz, schnell und griffbereit, den Satz kann ich üben, den kann ich im Team in Rollenspielen üben und so weiter, dass das dann einfach mit 'ner höheren Selbstverständnis und auch ja leichteren Herangehensweise geht, also um diese Hürde, die ja, wie Du richtig gesagt hast, im eigenen Kopf nur existiert, dann auch übersprungen werden kann.
Du hast ja auch schon vorher gesprochen, es gibt in den Teams den einen oder anderen, der das Ganze son bisschen vorantreibt. Jetzt sagen wir mal die Hoffnung, dass die Chefin, der Chef das auch unterstützt und sagt, hey, ich gebe euch die Zeit dafür. Was empfiehlst Du, um sozusagen in den Teams das Thema pDLs voranzutreiben? Was ist deine beste Herangehensweise?
DR. KATJA RENNER
Also es ist gut, wenn es jemanden gibt im Team, ich sag mal, der den Hut aufhat, ne. Das kann der sogenannte pDL-Manager sein. Also die Kammern bieten tatsächlich auch eine Fortbildung dazu an und das können auch PTAs machen. Also da geht es mehr so darum, die Organisation, die Implementierung der pDLs voranzubringen und das Organisatorische alles so im Griff zu haben. Das ist also egal, ob das die Leitung macht, ob das ein Approbierter macht oder eine führende PTA, also jemand, der Freude hat und ich glaube, das A und O ist, dass jemand wirklich vollständig dahintersteht, weil man kann nur das Team begeistern und mitnehmen, wenn man selber dahintersteht. Dann würde ich empfehlen, eine Teambesprechung zu machen, eine Teamschulung und in dieser Teamschulung sollte man sich darauf einigen, welche der Dienstleistungen will man in der Apotheke gemeinsam erbringen? Wer erbringt sie? Wer ist für was verantwortlich? Wie will man das den Patienten auch antragen? Will man es bewerben? Macht man das über die persönliche Ansprache? Wo liegen die Materialien? Hat man vielleicht auch eine AMTS-Software dafür, die die Medikationsberatung dann macht? Wollen wir auch 'n Heim betreuen? Also all diese Fragestellungen müssen geklärt sein und das muss als Teamleistung im Team besprochen werden. Es ist natürlich auch nicht schlecht, wenn man jetzt noch neu anfängt und 'n bisschen Motivation ins Team bringen will, dass man sich vielleicht auch extern Unterstützung holt, sag ich mal durch 'n Coach oder die Apothekerkammer Nordrhein beispielsweise, die hat so ein pDL Supportcenter, da kann man anrufen und sich so Mini Coachings buchen und kann auch 'n Coach in die Apotheke holen, dass dann so die individuellen Befindlichkeiten da noch mal besprochen werden und man da Unterstützung kriegt. Naja und dann heißt es eigentlich erst mal einfach anfangen, vielleicht auch bestimmte, in Rollenspielen, Du sagtest das grad schon mal, dass man einfach überlegt, wie kann man jetzt Patienten ansprechen, wie macht man das und ich würd auch empfehlen, ein Ziel zu formulieren fürs Team, dass man einfach sagt, wir hängen vielleicht einen pDL Zähler irgendwo auf, wir haben irgendwie eine Tafel, da werden Striche gemacht und wir stellen uns 'n Ziel, also dass wir sagen, also wir möchten jetzt anfangen, wir möchten im Team irgendwie in der Woche 10 pDLs erbringen und wenn das erreicht ist, die 40 im Monat, dann würde es vielleicht irgend 'n Benefit geben fürs gesamte Team, von der Leitung ausgestellt und letztlich geht's drum, man muss eine Routine entwickeln. Es muss in den Alltag integriert werden und es geht nicht, wenn man das nur einmal in der Woche macht, sondern man muss das, also bei jedem Inhalationsdevice, was ich abgebe, muss ich dann einfach daran denken, ich schule das, ich erklär das, ich biete das an und dann muss das eigentlich auch in 50 Prozent der Fälle stattfinden. Also das sollte jeder dann auch mitmachen wollen und das muss dann auch belohnt werden und so kann man es dann irgendwie so implementieren, dass man das regelhaft ständig auch anbietet.
AXEL SCHWARZ
Ich hab eine Apotheke gesehen, da sind dann bei den klassischen, also ja, Ziehschränke, keinen Automaten, und da ist wirklich bei den klassischen Devices überall son großer Aufkleber drauf, denk an die pDL. Und die PKAs, weil die waren bei den Schulungen auch mit beteiligt, legen für die Abholer oder wie auch immer man das dann nennen mag, dann wirklich die Unterlagen schon dazu, damit es dann einfach auch für den HV-Mitarbeiter dann eben auch eine niedrigere Hürde wird sozusagen und das fand ich 'n ganz schönes auch Gesamtteamansatz, was Du gerade angesprochen hast, fällt mir nur gerade ein.
DR. KATJA RENNER
Ja und ich kann da ergänzen, also das fand ich auch ganz cool, also zwei Ideen. Das eine ist in der Apotheke, in der ich vor einer Woche war, so ne Teamschulung gemacht hab, haben wir auch überlegt, wie kann man denn so son pDL Zähler machen? Da sagte eine Kollegin, ich hab so Murmeln und dann stellen wir doch irgendwie son großes Glas auf und immer wenn wir eine pDL erbringen, schmeißen wir eine Murmel in dieses Glas. Also dann sehen wir auch alle und das Glas steht irgendwie direkt am HV, also was da jetzt eigentlich schon passiert ist. Das war das eine, was ich gut fand. Und eine andere Apotheke, die hat einfach auch gesagt, wir wollen uns daran erinnern, dass wir Medikationsberatungen vermehrt anbieten. Und die haben so ne Art Filter in der Warenwirtschaft aufgerufen, dass alle Patienten, Stammpatienten, die fünf oder mehr Medikamente in der Dauermedikation bekommen, dass die quasi son Icon, son Reminder bekommen und immer, wenn dann son Patient kommt, ploppt auf, Medikationsberatung anbieten, ansprechen und es ploppt auch auf, wenn das nach einem Jahr wieder möglich ist, erneut zu erbringen, also auch dann noch mal eine Erinnerung und das, sowas finde ich auch gut.
AXEL SCHWARZ
Ja, das ist auch noch mal gut, weil ich mein, hallo, unsere Softwaren können so viel, ja, und da kann ich mir natürlich eine einfache Hilfestellung auch holen. Eine Frage, Du hast vorher eben von einem, ja, wie soll man sagen, Leuchtturm im Team gesprochen, der eben da vorangeht. Wie ist deine Erfahrung? Weil ich hör natürlich schon auch immer wieder von den Führungskräften, ja, jetzt soll ich das auch noch machen, ich weiß gar nicht, wann ich das schaffen soll und so weiter. Ist es denn, ich hab dann auch schon gesagt, habt ihr denn niemand im Team, der das machen kann? Das ist doch vielleicht viel zielführender.
DR. KATJA RENNER
Ja, also ich denk, man muss im Team gucken, wer kann was und wer ist dafür bereit und ich glaube, wenn jetzt jemand für Genehmigung zuständig ist ohne Ende, der hat vielleicht nicht noch die Zeit oder für QM oder so, hat dann nicht noch die Zeit und die Ressourcen, um gleichzeitig nebenher auch noch die pDLs voranzubringen. Das heißt also, das ist eigentlich so ne Sache, dass man überlegen muss, wer übernimmt was im Team und wer würde auch sich für was besonders eignen und wenn ich ja jetzt jemand habe, der sich supergut mit Genehmigungen, Krankenkassen und Rabattverträgen auskennt, dann ist es toll, wenn der dabei bleibt und das auch weiter vertritt. Das wär jetzt nicht so mein Thema, aber ich wär jetzt eben besser geeignet für die pDLs oder für alles drum rum und 'n bisschen kreativer und die Leute anzusprechen und ich glaube, das ist jetzt eigentlich Aufgabe der Apothekenleitung zu gucken, wer ist dafür geeignet und so ne Person zu identifizieren im Team und der diese Aufgabe zu geben, aber auf der anderen Seite auch vielleicht diese Person etwas von den anderen Aufgaben zu entlasten, dass man dann eben den Spielraum dafür hat.
AXEL SCHWARZ
Ich glaube, dass das Ich glaube, dass das 'n ganz wichtiger Punkt, sich da hinzusetzen, eben als Chefin, als Chef und sich das Ganze mal zu überlegen, weil auf der anderen Seite ist es ja wirklich eine großartige Möglichkeit, um zusätzliche Einnahmequellen auch, also monetär, mal hinzubekommen, jetzt ganz unabhängig von den Punkten Patientenzufriedenheit und Mitarbeitermotivation. Dieser Punkt steht ja auch im Raum und wenn ich da gerade dann denke, was auch Apotheken, die in der Heimversorgung aktiv sind, mit der Medikationsanalyse erreichen können, ist das ja schon mal 'n Punkt, den man schon mal unterstreichen darf.
DR. KATJA RENNER
Ja, absolut. Also es wird ja vielfach so, ja, abgetan, dass man sagt, das ist nicht wirtschaftlich, ne. Und dann wird auch immer geguckt, es gibt natürlich die Beispiele, wo jemand eine Medikationsanalyse bei jemanden macht, der hat 20 Medikamente, da muss ich riesige Recherche machen, da muss ich irgendwie den Arzt anrufen und es dauert irgendwie ewig lang und das ist immer so die Idee, die viele Leiterinnen und Leiter auch haben, so nach dem Motto meiner probiert, sie ist eine Stunde im Beratungsraum, dann ist sie noch zwei Stunden mit der Recherche zugange und dafür kriege ich 90 Euro, das geht irgendwie gar nicht und das passt nicht. Aber man muss auch hier überlegen, wie kann es effizient gestaltet werden, wie kann man eine gute Vorbereitung treffen? Da kann ich gleich gerne auch 'n bisschen was zu erzählen, wie man auch die PTAs zum Beispiel mit einbeziehen kann, aber man kann ja auch Dienstleistungen kombinieren. Das heißt, wenn ich einen Patienten habe, der eine Polymedikationsanalyse bekommt, der aber auch 'n Blutdruckmittel hat und der vielleicht noch 2 verschiedene Devices in der Medikation hat, dann habe ich den bei mir im Beratungsraum sitzen und dann mache ich die Schulung der Devices und ich messe ihm den Blutdruck und ich mache die Medikationsanalyse und wenn ich dann im Gespräch auch noch identifiziere, dass er total trockene Haut hat oder irgendwie Wadenkrämpfe in der Nacht, dann empfehle ich natürlich, Mensch, also Frau Meier, ich habe eine sehr gute Hautpflege für Sie und Sie haben ja so trockene Haut, Sie sind ja Diabetikerin und wissen Sie was, wollen Sie das nicht mal probieren? Ich gebe Ihnen da mal eine richtig gute medizinische Hautpflege mit oder ich sag dann irgendwie, wie wär's mit Ihren Wadenkrämpfen, wenn Sie mal 'n gutes Magnesiumpräparat ausprobieren? Ich geborene Ihnen da mal was Gutes mit, was gut verfügbar ist. Schauen Sie mal und dann hat man gleich, ja, mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen und hat was Gutes verkauft, eine gute Empfehlung gemacht, mehrere Dienstleistungen verknüpft, für die wir jedes Mal was abrechnen können und wenn man dann auch noch sieht, dieser Patient ist dann auch Stammkunde, ist begeistert, kommt gerne wieder, den verliere ich vielleicht nicht in den Versand, dann habe ich doch alles richtig gemacht und ohne eine Packung in die Hand zu nehmen, habe ich Ertrag generiert.
AXEL SCHWARZ
Ja und da habe ich auch wieder das Thema, dass der Mitarbeiter, die Mitarbeiterin dann ja beglückt rauskommt und sagt, hey, ich hab heute umfassend beraten können und konnte dabei aber auch wirtschaftlich handeln und das ist ja schon auch mal ganz gut. Du hast grade die Vorbereitung angesprochen, die PTAs mit ins Boot zu nehmen. Erzähl deine Gedanken dazu.
DR. KATJA RENNER
Also am Anfang war es ja so, als wir angefangen haben mit diesen Medikationsanalysen, dann ist ja auch klar definiert, das ist apothekerliche Aufgabe. Aber die apothekerliche Aufgabe dabei ist an für sich die Bewertung, das Gespräch, die Entscheidung, ne, das ist das, was apothekerlich ist. Es steht aber nirgendwo geschrieben, dass nicht die PTA oder die PKA auch am Telefon nicht die Dienstleistung bewerben darf, dass sie Patienten nicht identifizieren darf, dass sie die nicht ansprechen darf, das Angebot machen darf. Also wir haben nach und nach unsere Prozesse verändert und bei uns läuft es meistens so, dass das gesamte Team Patienten auch ansprechen kann, wenn sie in die Apotheke kommen, Rezepte einlösen, also dann sagt meine Kollegin, die PTA ist total aktiv mit den Patienten immer, dann sagt sie halt, Frau Maier, Mensch, ich seh grad, Sie nehmen ja sechs verschiedene Medikamente, ist ganz schön viel. Haben Sie nicht mal Interesse, son intensives Medikationsgespräch mit meiner Kollegin zu führen, wussten Sie eigentlich, Sie haben da Anspruch drauf und da geht's einfach um Ihre Sicherheit, dass Sie besser mit Ihren Medikamenten Bescheid wissen, haben Sie da mal Interesse? Und dann sagen die vielleicht, ach ja, warum nicht, kostet das nicht was? Und dann sagt sie, nee, das kostet Sie nichts, das übernimmt auch die Krankenkasse, damit sie einfach son bisschen wie so der TÜV beim Auto einmal im Jahr oder der der der Check beim Zahnarzt, ne, also dass man das einmal im Jahr macht und das können sie wahrnehmen. Und dann läuft das bei uns so ab, dass wenn da die Einwilligung des Patienten besteht, dass sie dann fragt, Mensch, Frau Meier, sagen Sie mal, haben Sie zufällig Ihren Medikationsplan dabei oder darf ich mal eben in Ihre ePA gucken und darf mal gucken, welche Medikamente Sie alle nehmen, dann würde ich mir das mal schon rausziehen und meiner Kollegin übermitteln und ich hab auch noch mal eine Frage, gibt es aktuell bei Ihnen besondere Baustellen oder Sorgen, die Sie haben, Probleme mit Ihren Arzneimitteln, weil dann würde ich das meiner Kollegin schon mal mitteilen, dann kann sie sich auf das Gespräch schon mal vorbereiten. Dann nimmt sie das eigentlich alles auf und das heißt, ich krieg dann eine Medikationsliste, ich krieg schon Hinweise dazu, was beim Patienten irgendwie im Mittelpunkt steht, die Versichertendaten sind schon in die Formulare eingetragen. All das ist vorbereitet und dann steig ich ein in das Gespräch und ich guck vorher schon drauf und weiß schon, oh, das ist 'n Patient, der das und das. Da muss ich da nachfragen und so und so und das geht natürlich viel schneller. Und was so cool ist, Axel, das ist, im Grunde war's da eine Teamleistung. Es war gar nicht nur apothekerlich, sondern wir haben da Hand in Hand gearbeitet und meiner Kollegin macht es Spaß und gibt es auch Berufszufriedenheit. Mir auch und die Patientin ist total zufrieden und es geht schneller und es ist effektiver.
AXEL SCHWARZ
Ich hab noch von einer Kollegin gehört, die eine Kollegin gewinnen konnte für ihr Team, weil die sozusagen die Medikationsanalysenprüfung im Homeoffice macht. Erlebst Du das auch?
DR. KATJA RENNER
Das geht auch und zwar, wir müssen uns ja klar werden, dass wir ja Personalmangel haben, ne und dann haben wir viele Frauen und viele Frauen arbeiten Teilzeit und weil sie die Kinder haben und dann heißt immer nachmittags kann ich nicht kommen, ich muss die Kinder abholen. Aber da sind auch ganz viele junge Frauen dabei, die Bock haben auf Arzneimitteltherapiesicherheit, die Interesse haben, solche Analysen zu machen, die da Freude dran haben und die auch bereit wären, sich mal abends 10 oder am Samstag mal eine Stunde mit irgendwelchen Analysen hinzusetzen und das in Ruhe ohne Störung zu bearbeiten und das können sie ja zu Hause. Und ich glaube, da müssen die Chefs, die Chefinnen auch vielleicht etwas Vertrauen in ihre Mitarbeiter haben, dass man jetzt nicht nur sagt, ich muss die kontrollieren, machen die auch wirklich die Stunde voll oder haben die jetzt nur eine Dreiviertelstunde da dran gearbeitet und eine Stunde aufgeschrieben oder so was. Also gilt's auch 'n bisschen Vertrauen den Mitarbeitern gegenüber dann zu haben, aber es ist dann eine Möglichkeit, ein paar mehr Stunden von diesen Frauen oder von diesen Männern ja, die ihre Kinder vielleicht auch betreuen, zu gewinnen, weil sie bereit sind, zu Hause noch mal 3, 4 Stunden die Woche draufzulegen für solche Tätigkeiten, die sie aber nicht investieren würden, wenn sie die in der Apotheke zum normalen Bedienen und schnellen Abarbeiten der Kunden investieren müssten, dann würden sie diese 3, 4 Stunden nicht mehr arbeiten. Aber wenn sie das für diese Tätigkeit investieren, wären sie eher dazu bereit, absolut.
AXEL SCHWARZ
Du hast im Vorfeld auch erzählt von einem Beispiel, das Du auch erlebt hast und da ging's um eine Giraffe. Kannst Du uns das noch mal erklären?
DR. KATJA RENNER
Ja, genau. Also ich war ja jetzt in der Jury zum pDL Award. Also wir haben, das deutsche Apothekenportal hat Apotheken prämiert, die besonders tolle Ideen im Kontext der pharmazeutischen Dienstleistungen hatte und im vergangenen Jahr gab's diesen Award auch und da gab's eine Apotheke, die hat eine tolle Blutdruckaktion gemacht und zwar hat sie eine Giraffe, eine riesige Stoff Giraffe in die Apotheke gestellt, hat eine Blutdruckmanschette angelegt und die Frage als großes Plakat, was schätzen Sie, was denken Sie, wie hoch ist der Blutdruck einer Giraffe? Das war natürlich 'n Hingucker, also richtig cool und so haben die ihre Aktionen zum Blutdruckmessen eingeleitet und haben dann, ich weiß gar nicht mehr, ob das auch im Kontext eines Weltherztages oder so was war, aber im Grunde haben die an dem Tag oder in der Woche allen Patienten, die Antihypertensiva bekommen haben, eine Blutdruckmessung angeboten, haben die natürlich auch abgerechnet und es war ein echter Hingucker. Im Grunde wars eine tolle Aktion, um darauf aufmerksam zu machen, aber auch um wirklich die besonderen Leistungen der Apotheke dann darzustellen und aus einer Blutdruckmessung erwächst auch durchaus öfters mal eine Medikationsberatung. Wenn man fragt, ja, was kriegen Sie denn sonst noch alles für Medikamente? Was haben Sie denn für Blutdruckmittel? Und auf einmal zack zack zack ergibt sich das. Sie haben 3, 4 Blutdruckmittel, dann haben Sie noch 'n Atorvastatin und für 'n Metformin. Sind wir bei 6, 7 Medikamenten und dann kann man ganz schnell sagen, ach Mensch, Sie nehmen ja auch eine ganze Reihe von Medikamenten. Wir haben jetzt Ihren Blutdruck gemessen. Was halten Sie denn davon, haben Sie Interesse, dass wir auch noch mal Ihre Medikamente durchgucken und besprechen, damit Sie da noch 'n bisschen Sicherheit bekommen? Auch das ist möglich, das können wir Ihnen anbieten. Sollen wir das mal machen? Also auch da erwächst dann aus dem einen das andere.
AXEL SCHWARZ
Und grade da dann bei solchen, ja, wie soll man sagen, kreativen Beispielen, wo ich eine einfache Ansprache hab, daraus erwächst dann eben aus einem vielleicht Laufkunden, der nur hin und wieder mal vorbeikommt, dann eben das Vertrauensverhältnis und ja, ich hab's auch schon gehört, so ne Begeisterung, wow, krass war das in der Apotheke, das habe ich noch nie erlebt. Also ich geh die paar Meter jetzt immer lieber dahin, weil ich weiß, die machen den Meter mehr und das ist im Endeffekt das, wo ich dann auch eine der großen Möglichkeiten sehe, dass die Apotheken mehr Möglichkeiten bekommen, um mit den Patienten ins Gespräch zu kommen und damit habe ich einfach schon wahnsinnig viele Möglichkeiten geschaffen, wegzukommen vom Versand und wegzukommen dann vielleicht auch, wenn ich nur sage, ja, brauchen Sie noch eine Tüte. Aber ich glaube, man merkt uns beiden an, dass wir pDL Fans sind, glaube ich.
DR. KATJA RENNER
Ja, ich glaube es auch. Ich glaube es auch. Ich kann ja nur auch erzählen, dass ich in diesem Bereich auch wirklich viel aktiv oder sehr aktiv bin, dass ich als Referentin viel mache, aber ich unterstütze auch die Bundesapothekerkammer. Es gibt da ja 'n tolles Portal, diesen Campus live. Also das empfehle ich auch allen Kolleginnen und Kollegen, die sich da 'n bisschen weiter fortbilden wollen, dass man da also in die Webinare, die sind übrigens kostenlos, kann man sich für registrieren, einfach mal einwählt, auch on demand, im Nachgang kann man die hören, da gibt's Schulungsvideos zu den Inhalativer. Wir haben da auch 'n kleinen Podcast zu Tipps und Tricks rund die pDLs. Also da gibt's ganz viel und die ganzen Materialien, wie man die pDLs dann auch umsetzen kann. Also da auch herzliche Einladung für diejenigen, die noch 'n paar Infos brauchen, sich da noch mal anzumelden.
AXEL SCHWARZ
Ja, das packen wir natürlich in die Shownotes, damit das jeder dann noch mal in Ruhe nachlesen kann. Das versteht sich von selber. Ich würd noch mal ganz kurz zurückkommen. Also wir haben jetzt ja wirklich das Thema von vielen, vielen Seiten jetzt angeschaut und ich hab aber trotzdem immer noch Chefinnen und Chefs im Ohr, die sagen, ja, das wird uns jetzt auch nicht retten und sonst wie. Gibt's irgendwie aus deiner Seite irgendwie noch 'n Hinweis für Kolleginnen und Kollegen, die sagen, ich will meinen Chef motivieren, dass wir das machen? Was sind so Schlagworte, mit denen die Chefs vielleicht überzeugt werden können?
DR. KATJA RENNER
Ja, Schlagwort ist sicherlich Attraktivitätssteigerung des Betriebs, Attraktivitätssteigerung der Apotheke in der Außenwirkung bei den Patienten, dann auch noch mal Schärfung des pharmazeutischen Profils. Wirtschaftlich kann's sein, wenn man durchstartet und das effizient tut, vielleicht eben auch, was die Heime angeht und es ist auf jeden Fall etwas, was uns heilberuflich auch im Sinne Unterscheidung in Abwanderung zum Versand son bisschen abgrenzt. Also das glaube ich sind wichtige Sachen und ich erleb jetzt auch, dass manche Kolleginnen und Kollegen sagen, Mensch, ich sehe jetzt auf einmal auf der ePA, dass doch auch mehr Leute im Versandhandel bestellen und wenn ich sowas sehe, dann ist das ja 'n klares Zeichen dafür, dass diese Patienten auch andere Vertriebswege nutzen und wie können wir uns absetzen? Sicherlich nicht einfach nur durch die Abgabe der Packung und glaube, das ist einfach so entscheidend, dass wir uns, dass wir diese Chroniker in der Apotheke halten und das geht nicht nur durch tolle Botendienste, ja, sondern durch solche Dinge und wir können ja uns sind die Hände gebunden, wir können ja diese Rabattaktionen, diese Schlachten nicht mitschlagen. Wir haben so viele Regulatorien, aber wir können durch den persönlichen Kontakt die Patienten halten und dafür ist das 'n super Instrument und wenn man das eben effizient macht, springt ja auch noch mal 'n bisschen Kohle bei rum. Also deswegen Betriebszufriedenheit, Mitarbeiterzufriedenheit, Kundenzufriedenheit und auch noch 'n bisschen wirtschaftliches Standbein, also das muss man alles zusammennehmen, glaube ich.
AXEL SCHWARZ
Du hast jetzt grade noch mal die ePA ins Spiel gebracht und deswegen drehe ich diese kleine Schleife noch. In unserer ersten Folge bei Impact haben wir mit Jan-Niklas Francke gesprochen über die Einführung der ePA und die ist ja grade in diesem Kontext auch großartig, oder?
DR. KATJA RENNER
Ja, tatsächlich und wenn wir jetzt die ePA nutzen, dann sehen wir ja, was hat der Patient in den letzten Wochen für Medikationen von welchen Ärzten verordnet bekommen. Das ist das Gute, dass wir auch die verschiedenen Verordner daran sehen. Dann sehen wir, in welchen Apotheken hat er es gekauft und wir können da ganz gut drauf zugreifen und wir sehen's sofort und wir können zum Teil, es hängt natürlich vom Warenwirtschaftssystem ab, auch Daten übernehmen zur Auswertung, aber das ist eine gute Transparenz und wir sollten das unbedingt nutzen.
AXEL SCHWARZ
Katja, ich hab auf meiner Liste jetzt hier nichts mehr stehen für unseren Podcast und wir haben wirklich alle Seiten beleuchtet, Patientenseite, Mitarbeiterseite, Chefseite, die Medikation und alles Drumherum. Ich danke dir für deine Expertise, deine Beispiele und deine lebhafte Art, wie Du's uns rübergebracht hast und ich denke auch viele, viele motivieren konntest, sich da jetzt hinzutrauen und kleine Schritte zu machen. Ich wünsch dir alles Gute und freue mich, dich das nächste Mal wiederzusehen.
DR. KATJA RENNER
Sehr gerne, Axel und viel Erfolg allen Zuhörern und Zuhörern und dranbleiben.
AXEL SCHWARZ
In der nächsten Folge von Impact geht es die Frage, wie Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel die Wirkung von Medikamenten beeinflussen können. Gast wird dann Professor Dr. Martin Smollig sein und wenn ihr in eure Regale in der Apotheke schaut, werdet ihr sicher eins seiner Bücher finden. Wir freuen uns natürlich, wenn ihr uns auf einem der vielen Podcast Plattformen auch ein Abo dalasst oder auch eine Bewertung, darüber freuen wir uns immer, aber natürlich auch Fragen, die ihr gerne an redaktion@gesundheit-hoeren.de schicken könnt. Wir bedanken uns natürlich an dieser Stelle auch noch mal beim AVOXA Content Service für die gute fachliche Zusammenarbeit und Vorbereitung und freuen uns schon auf die nächste Folge. Servus.
SPRECHER
Impact – der Podcast für die Apotheke. Von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.
Neuer Kommentar