Wie Fehler in der Krankenhausapotheke passieren

Shownotes

Was unterscheidet eigentlich die Krankenhausapotheke von der Apotheke vor Ort? Und wie lassen sich in der Klinik Medikationsfehler vermeiden? Dr. Gesine Picksak ist AMTS-Beauftrage des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker und Fachapothekerin für Arzneimittelinformation, Klinische Pharmazie, Infektiologie und Medikationsmanagement im Krankenhaus an der Medizinischen Hochschule Hannover. Mit Host Axel Schwarz spricht sie in dieser Folge darüber, wie Lookalikes und Soundalikes oder unerwartete Missverständnisse von Patient:innen zu Fehlern führen können. Und wie Digitalisierung so etwas verhindern kann – aber wo sie auch neue Fehlerquellen mit sich bringt. Außerdem geht es um die Frage, wie sich Krankenhausapotheken und öffentliche Apotheken gegenseitig unterstützen können – und warum auch der interdisziplinäre Austausch mit Ärzt:innen so wichtig ist.


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Der Podcast „Impact“ schaut auf wichtige Themen, die alle Apotheken-Teams betreffen. Acht Folgen lang dreht sich alles rund um das Thema Medikationsfehler – und wie sie sich vermeiden lassen. Dafür spricht der approbierte Apotheker Axel Schwarz mit Expert:innen, Praktiker:innen und Entscheider:innen aus dem Gesundheitsbereich.

„Impact“ beleuchtet Medikationsfehler aus unterschiedlichen Richtungen – mit Tiefgang und mit Blick auf die Fragen, die sich Apotheken-Teams oft stellen: Wie kommuniziere ich am besten mit meinen Patient:innen? Wie können Apotheken und Arztpraxen sinnvoll und produktiv zusammenarbeiten? Und wie können technische Neuerungen wie die ePA dabei helfen, Medikationsfehler zu vermeiden?

Neue Folgen erscheinen alle 14 Tage immer dienstags überall, wo es Podcasts gibt und auf gesundheit-hören.de. Dort findet ihr auch weitere Gesundheitspodcasts.

Habt Ihr Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreibt uns gerne an redaktion@gesundheit-hoeren.de


Das Team hinter „Impact“:

Host: Axel Schwarz

Redaktion Avoxa Content Service: Peter-Erik Felzer;

Aufnahme, Regie, Postproduktion: Constanze Radnoti, Yves Seißler;

Musik: Benedikt Möltner, Yves Seißler;

Fachliche Beratung: Prof. Dr. Kai Kolpatzik;

Chefredakteur: Peter Glück


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Alle Aussagen und Inhalte entsprechen dem aktuellen Wissens- und Kenntnisstand, der Veränderungen unterliegt.

Transkript anzeigen

DR. GESINE PICKSAK

Man kann so viel aus Sicht des Apothekers beisteuern, dass eine Therapie schon bei der Verordnung sicherer oder optimaler wirkt. Das heißt, ich stehe wirklich mit am Patientenbett und ich in meiner Rolle darf sagen, dass ich auch in Entscheidungen miteinbezogen werde.

AXEL SCHWARZ

Ich hab vor Kurzem einen Freund besucht, der lag im Krankenhaus und wie es halt so ist, er liegt dann da in seinem Bett neben ihm der Ständer mit der Infusion und dazu natürlich auch noch 'n Medikament dran und dann fragt er mich natürlich, na, Du Apotheker, was ist 'n das jetzt, was ich da genau kriege? Und ich wusste zum Glück, dass es 'n Antibiotikum ist, weil den Wirkstoff selber, den hatte ich so noch nicht gelesen. Kommt einfach in der Offizin-Apotheke nicht vor. Aber genauso ist es eben mit diesen zwei Welten zwischen Klinik, Krankenhaus und der Apotheke vor Ort. Die Arbeit, die Aufgaben sind einfach völlig verschieden und deshalb sind natürlich auch die Herangehensweise rund das Thema Medikationsfehler völlig unterschiedlich. Deswegen kümmern wir uns in dieser Folge von Impact um das Thema Medikationsfehler im Krankenhaus. Mein Name ist Axel Schwarz und ich bin Apotheker und Berater. Die Welt in der Klinik für den Apotheker, sie ist komplett anders als die Welt in der Offizin und genau deshalb habe ich heute eine Expertin zu Gast, die in der Klinik zu Hause ist. Ich begrüße Frau Dr. Gesine Picksak. Hallo Gesine.

DR. GESINE PICKSAK

Hallo, schön, dass ich hier sein darf.

AXEL SCHWARZ

Schön, dass Du da bist. Ja, dann starten wir rein oder?

SPRECHER

Impact – der Podcast für die Apotheke. Von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.

AXEL SCHWARZ

Zu Hause bist Du im Krankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover ja hoffentlich nicht, also Du hast hoffentlich noch eigene vier Wänden, in denen Du deine Freizeit verbringst, aber Du leitest dort ja die Arzneimittelausgabe und die Arzneimitteltherapiesicherheit. In meinem Studium, ist ja schon 'n paar Jahre her, kam das Thema Krankenhausapotheke und Klinikum tatsächlich nicht vor, soweit ich mich dran erinnere. Wie bist Du denn da hingekommen, Gesine?

DR. GESINE PICKSAK

Ja, das ist eine ganz spannende Sache. Also auch bei mir liegt das Studium schon ein bisschen zurück. Allerdings hatte ich die Möglichkeit während meines praktischen Jahres dieses zu splitten, was ich auch heute immer noch allen Personen im Studium empfehle, dass man also nie wieder die Zeit hat, für so einen begrenzten Bereich in eine weitere Apotheke, in ein weiteres Arbeitsgebiet reinzugucken. Und so bin ich damals in der Medizinischen Hochschule gelandet und ich durfte dort praktisch als Pharmaziepraktikantin, so hießen wir damals noch, heute heißt man ja Pharmazeut im Praktikum starten.

AXEL SCHWARZ

Und wenn ich schon höre, Medizinische Hochschule, Du bist dann Hannover-Kind sozusagen.

DR. GESINE PICKSAK

Ja, ich komme hier aus der Gegend, war dann zum Studium in Freiburg, also weiter weg kann man, glaube ich, von Hannover nicht sein. Selbst München wäre dichter damals gewesen, aber ich möchte das Studium dort nicht missen. Aber der Sog nach Hause zurück doch 'n bisschen dichter an die Familie, auch wenn ich inzwischen die südlichste von uns allen bin, ja, den gab es definitiv und ja inzwischen weiß ich, was Hannover zu bieten hat und deswegen bin ich immer noch gerne hier.

AXEL SCHWARZ

Hör ich jetzt zurzeit schon öfter, dass Hannover doch so viel zu bieten hat. Wunderbar. Ja. Aber wir reden ja hier über die Medikationsfehler bei Impact und vor allem heute eben darüber, wie's auch in den Kliniken dabei ausschaut. Deswegen Gesine, nimm uns doch mal son bisschen mit in deine Realität, in deinen Tag. Was machst Du da?

DR. GESINE PICKSAK

Ja, also ich bin ja diejenige, die bei uns die Arzneimittelausgabe leitet. Das heißt, ich bin für die Logistik zuständig. Für diejenigen, die vielleicht noch nicht so viel Einblick in eine Krankenhausapotheke haben, ich bezeichne mich gerne als das Pendant zum Handverkauf in einer öffentlichen Apotheke. Ich sorge dafür, dass die Schachteln bei uns ja nicht direkt an den Patienten kommen, aber zu den Pflegekräften und auch zu den Ärzten und das sind vornehmlich auch tagtäglich meine Ansprechpartner. Das heißt, mein Kunde ist nicht der Patient wie in der öffentlichen Apotheke, sondern Pflegekraft und Arzt, die uns natürlich mit ihren Bestellungen analog zu Rezepten in der öffentlichen Apotheke ja praktisch anfragen, diese zu uns schicken oder aber auch telefonisch die Anfragen an uns richten.

AXEL SCHWARZ

Okay, ja. Im Krankenhaus, so stelle ich mir jedenfalls vor, gibt's natürlich wahnsinnig oft auch akute Fälle, wo es wirklich dann auch um Minuten geht, teilweise ganz schön stressig auch oder?

DR. GESINE PICKSAK

Ja, also es ballt sich. Wir haben ja sogenannte Ausgabezeiten. Das heißt, bei uns kommt ja nicht die Pflegekraft in die Apotheke und holt sich die Medikamente, sondern wir haben in der Regel eine größere Logistik, die dahintersteckt. Wir haben Abholzeiten für unsere Stationsbestellung und natürlich, wie Du das sagst, wir haben ja auch Notfälle und da muss das Ganze einmal schneller gehen. Die schieben wir dann dazwischen. Auch das ist analog zu einer öffentlichen Apotheke. Man tut dann alles, damit dem Patienten schnell geholfen werden kann.

AXEL SCHWARZ

Was ich mir immer so vorstelle und was auch ein ehemaliger Kommilitone, mit dem ich zusammen studiert hab, mir dann auch so danach dann berichtet hat, es geht auch viel Selbstherstellung, oder?

DR. GESINE PICKSAK

Das ist ganz richtig. Jede Krankenhausapotheke hat einen Herstellungsbetrieb hinten dran, also Bereiche, die herstellen. Das betrifft zum Beispiel individuelle Patienten, individuelle Herstellung. Das kann eine Chemotherapie sein. Das kann für ein spezielles Erkrankungsbild eine spezielle Ernährungslösung sein, die wir herstellen oder aber bei uns in Hannover ist eine Kinderklinik angeschlossen und da stellen wir natürlich auch viele Kapseln her, Säfte her. Das sind so Dinge, die man eben nicht fertig kaufen kann, die wir dann einfach mit unserem Personal und unseren Abteilungen dann produzieren.

AXEL SCHWARZ

Stehst Du dann selber sozusagen an der Kapselmaschine?

DR. GESINE PICKSAK

Das kommt vor, aber in der Regel machen das bei uns die Pharmazeutisch-technischen Angestellten, die PTAs, die sind vornehmlich bei uns für die Herstellung da, aber natürlich auch im Rufdienst. Im Notfall müssen wir Apotheker auch selber herstellen, herstellen können. Das halte ich auch für ganz wichtig, dass unsereins das nicht verlernt.

AXEL SCHWARZ

Macht's dir immer noch Spaß?

DR. GESINE PICKSAK

Ja, wahnsinnig. Also ich kann sagen, ich hab für mich den richtigen Beruf ergriffen, der ist so spannend und so vielfältig, das hätte ich mir, glaube ich, damals im Studium mit dieser ganzen Chemie, die man immer noch im Grundstudium hat, gar nicht vorstellen können und ich glaube auch, dass man mir das anmerkt, ich brenne für meinen Beruf. Insofern hab ich mich auch 'n bisschen wiedergefunden, als es in der Einführung hieß, ja, meine zweite Heimat ist die Krankenhausapotheke, bei mir würde das zutreffen.

AXEL SCHWARZ

Seit einigen Jahren gibt's ja im Studium auch das Fachgebiet der klinischen Pharmazie und wenn ich grade mit jungen Kollegen und Kolleginnen spreche, ja, diese Vorstellung eben direkt am Patienten mit entscheiden zu dürfen, welches Medikament nehme ich. Habe ich da eine falsche Vorstellung? Gibt's bei euch den Stationsapotheker?

DR. GESINE PICKSAK

Ja, bei uns gibt es den Stationsapotheker. Bei uns ist der seit zwei Jahren Pflicht im Bundesland Niedersachsen. Der ist gesetzlich im Niedersächsischen Krankenhausgesetz verankert und damit haben wir Stationsapotheker und ich persönlich hab das Glück, dass ich seit knapp zehn Jahren auf einer interdisziplinär geführten Intensivstation so 20, 25 Prozent meiner Arbeitszeit mitarbeiten darf. Ich mache das, was Du gesagt hast. Tagtäglich begleite ich eine Oberarztvisite, das heißt, ich stehe wirklich mit am Patientenbett mit den Ärzten. Das ist ein Team von Ärzten, Oberarzt, Stationsarzt, dann auch in der Ausbildung natürlich Assistenten, die wir dabeihaben und ich in meiner Rolle darf sagen, dass ich auch in Entscheidungen miteinbezogen werde. Das betrifft ja dann vor allen Dingen Dosierung oder auch Wirkstoffauswahl, was so Organe betrifft, Niere, Leber, dass dann der Apotheker wirklich gefragt wird, bist Du auch der Meinung, dass das gut ist oder würdest Du einen anderen Wirkstoff vorschlagen? Ganz spannend.

AXEL SCHWARZ

Umso besser, dass es das endlich dann auch im Studium abgebildet und dann auch immer mehr sozusagen auch in der Praxis gibt, weil tatsächlich meiner Meinung noch eine der ja grundlegendsten Themen unseres Berufes, dass wir da auch unsere Kompetenz zeigen.

DR. GESINE PICKSAK

Ja, auf jeden Fall und das ist auch das, was wahnsinnig viel Spaß macht und auch an dieser Stelle, unser Thema ist ja heute Medikationsfehler. Man kann so viel aus Sicht des Apothekers beisteuern, dass eine Therapie schon direkt praktisch bei der Verordnung ja sicherer oder optimaler wirkt. Das kann ich auch allen nur empfehlen, wenn sich die Chance irgendwie ergibt, das mal auszuprobieren, sich zu versuchen.

AXEL SCHWARZ

Medikationsfehler. Du hast sie gerade schon selber angesprochen. In der Apotheke haben wir eine Vorstellung davon, wo Medikationsfehler vorkommen können, wie wir sie vielleicht auch verhindern können. Darum dreht sich natürlich auch alles hier bei Impact, dem Podcast für die Apotheke. Aber jetzt erzähl uns doch mal, nimm uns einfach mit in den Alltag von dir. Wo sind denn da für dich so die klassischen Punkte, wo Medikationsfehler vermieden werden können?

DR. GESINE PICKSAK

Ja, also ich durfte jetzt schon ganz viel, ja, die Medikationsfehler sind mein Hobby, mich ganz viel damit auseinandersetzen. Ich kann für mich nicht sagen, dass ich einen Prozessschritt kenne, wo keine Fehler passieren können. Also man sollte sich gewahr werden, dass Fehler immer und auch jederzeit passieren können. Aber wenn die Frage gestellt wird, wenn ich jetzt so vor dem Ganzen stehe, wo soll ich denn anfangen? Wo soll ich suchen? Wo soll ich mich drauf fokussieren? Dann ist es ganz klar die Verordnung, weil ich da so viele Dinge beachten muss, Wirkstoffauswahl, die Dosierung, ich muss das Gewicht angucken, Organinsuffizienzen, Stichwort Leber- und Niereninsuffizienz oder wenn der Patient in der Sepsis ist. Da passieren unheimlich viele Fehler. Und die Applikation und das ist extrem spannend, weil ich ja als Apotheker, Apothekerin keine Medikamente selber verabreiche. Da bin ich also entweder aufmerksam, wenn ich bei mir im Krankenhaus Pflegekräfte beobachte oder aber wenn mir Dinge berichtet werden. Und da muss ich sagen, sollte man extrem hellhörig sein, das ist so spannend, wenn man dann so nebenbei erfährt, was eine Pflegekraft, ein pflegender Angehöriger mit einer Tablette macht, damit die irgendwie in den Patienten hineingeht, gerade auch Eltern, die sich um Kinder kümmern, da kann unheimlich viel schiefgehen, was den Leuten meistens gar nicht so bewusst ist. Und da einfach ein offenes Ohr haben, dann ist man schon mittendrin in der Thematik und das ist fast wie im Krimi, wenn man da richtig zuhört.

AXEL SCHWARZ

Ja, wenn man da richtig zuhört, in dem Krimi, hast Du Beispiele, wo es wirklich supergut war, dass Du genau zugehört hast und konntest, ja Falschapplikationen verhindern?

DR. GESINE PICKSAK

Ja, leider konnte ich die nicht verhindern, aber ich konnte machen, dass das Ereignis, also der Fehler, nicht wieder passiert. Ein Beispiel, ich hatte vor nicht allzu langer Zeit eine mittelalte Patientin, mittelalt 40, Mitte 40 und die wurde bei uns in die Klinik und damit auch zu uns auf die Intensivstation gebracht, weil sie QT-Zeit-Verlängerung hatte. Also das heißt, sie war kurz vorm Kammerflimmern und da kam raus, dass sie ihre Quetiapin Retardtabletten zu Hause, weil sie die nicht schlucken konnte, obwohl sie vermeintlich ja für uns ein normales Alter hat, die hat sie zerkaut und sie hat bei uns in der Klinik ein Medikament bekommen, was ebenfalls die QT-Zeit verlängert und dadurch, dass die Retardtablette zu Hause zerkaut wurde, waren beide Wirkstoffe auf einmal mit der vollen Dosis da, was sie dann eben zu uns in die Klinik gebracht hat. Also da hätte ich nie mit gerechnet, dass eine Patientin dieses Alters die Tablette nicht schlucken kann und damit dann praktisch durch das Zerkauen diesen Fehler ausgelöst hat.

Und ein Zweiter, der mich persönlich sehr berührt hat – wir in der Klinik führen ja auch Entlassgespräche, das heißt, wir bereiten unsere Patienten darauf vor, mit der Medikation nach Hause zu gehen, was vielleicht neu ist, gehen noch mal auf Fragen von dem Patienten ein und da wurde mir von einer öffentlichen Apotheke berichtet, dass ein Patient, die Dosis war nicht vorrätig von dem Antibiotikum, was er brauchte und die Kollegin berichtete dann bei der Abgabe des Arzneimittels, der Patient möge das Präparat bitte teilen und er sagte dann, aber er könne doch gar nicht mehr teilen, seine Ehefrau sei doch vor Kurzem verstorben. Und ich glaube, ich habe bis dato nie drüber nachgedacht, was es bedeutet, eine Tablette zu teilen. Für mich war das klar, dass Teilen in zwei gleich große Hälften gemeint ist und er so berührt von seiner Situation, dass eben seine Ehefrau, mit der er wahrscheinlich sein ganzes Leben geteilt hat, dachte jetzt, er solle ihr etwas abgeben. Und seitdem spreche ich davon beim Teilen, dass zwei gleich große Teile draus gemacht werden, wovon ich heute eine Hälfte nehme, vielleicht heut Abend oder die andere Hälfte dann morgens und das war mir so auch gar nicht bewusst.

AXEL SCHWARZ

Das war mir auch nicht so bewusst, auch wenn ich schon 'n paar Jahre in der Offizin aufm Buckel hab, aber den Aspekt des Teilens hatte ich so auch nicht aufm Schirm. Ja, tatsächlich. Aber wenn man's dann mal hört, ja, dann ist es auch plausibel, dass das eine Gefahr sein kann.

DR. GESINE PICKSAK

Ja.

AXEL SCHWARZ

Davor hat man nie drüber nachgedacht. Ja, okay.

DR. GESINE PICKSAK

Das stimmt.

AXEL SCHWARZ

Ja, crazy. Okay. Du hast auf alle Fälle neben der Applikation, aber auch das Rezept, die Ausstellung sozusagen, auch angesprochen. Ja, wie passiert das bei euch in der Klinik? Wie läuft das ab?

DR. GESINE PICKSAK

Ja, also krankenhausintern arbeiten wir mit sogenannten Sonderanforderungen. Das heißt, wenn ein Medikament außerhalb unserer Arzneimittelliste, das sind die Medikamente, die in der Klinik vorrätig sind, bestellt werden, dann muss man ein Formular ausfüllen, wo wir eigentlich ähnliche Angaben, ja, uns drauf wünschen oder auch fordern wie in der öffentlichen Apotheke. Das heißt, wir brauchen auf jeden Fall ein Präparat beziehungsweise bei einem Herstellungswunsch auch den Wirkstoff, eine Konzentration oder Dosisangabe und dann natürlich am liebsten auch die Arzneiform. Und da stellen wir zum Beispiel fest, dass wir über das Geburtsdatum eine Ahnung davon bekommen, ob die Dosis auch passt. Das ist etwas, was ich ganz wichtig halte, sowohl bei Kindern, die eben noch nicht das Gewicht eines Erwachsenen haben, aber auch umgekehrt bei unseren älteren Patienten. Viele sind ja doch 'n bisschen kräftiger. Also ich will sie jetzt nicht adipös nennen, bei denen ist alles gut, aber wir kennen auch alle kachektische Patienten, wo man dann wieder zurück überlegen muss, ob die wirklich die volle Dosis gemäß Fachinformationen bekommen sollen. Also auch da kann man Dosierungsfehler einfach durch das Blatt Papier aufdecken. Auch da sollte man sensibilisiert sein und immer einmal den Blick, ja, auf das Geburtsdatum werfen und nach Möglichkeit eben auch den Patienten einmal angucken, ist er eher kräftiger oder eher sehr dünn? Ist es 'n Kleinkind oder ist es 'n Schulkind? Dass man da einmal checken kann, ob das passt.

AXEL SCHWARZ

Wichtiger weiterer Tipp auch natürlich für die Offizin, auch diesen Faktor immer wieder sich vor Augen zu führen. Du hast die Antibiotika gerade schon angesprochen. Ich habe in der Vorbereitung für die Folge mich auch mit diesem Thema Antibiotika und Resistenzbildungen beschäftigt und bin dabei auf Sachen gestoßen, wo ich echt gesagt hab, super, dass es das in den Kliniken schon gibt, nämlich dass Antibiotika genau unter die Lupe genommen werden und auch bewertet werden müssen. Kannst Du das noch mal son bisschen ausführen?

DR. GESINE PICKSAK

Ja, jede Klinik sollte ein sogenanntes ABS, Antibiotic Stewartship Team, ja, ich hätt fast gesagt vorhalten wie ein Arzneimittel. Nein, das sollte so ein Team als Ansprechpartner geben. Das setzt sich häufig aus der Hygiene, Krankenhaushygiene zusammen, einem Infektiologen, der ja Internist von Grund auf ist. Also wir haben Pneumologen, wir haben Anästhesisten, die da mitmachen, Nephrologen und einem Apotheker. Und das Hauptaugenmerk jetzt, ich bin auch eine von denen, ABS Apothekerinnen, ist darauf natürlich, wie die Verbrauchsdaten sind. Das heißt, wir in der Klinik können ja unheimlich gut mit tracken, welche Antibiotika in das Haus hinein, also heraus oder hinein, wie auch immer man das sehen möchte, gegeben werden. Und natürlich prüfen wir auch, ob das Antibiotikum erst mal zu dem ja Verdachtsmoment, da wo es wirken soll, nehmen wir an Lungenentzündung, Bronchitis, allergisches Asthma bedingt ja nicht unbedingt immer ein Antibiotikum, dass das passt. Und wir geben natürlich auch Leitlinien, das heißt Empfehlungen mit ins Haus. Und da ist eins unser Hauptaugenmerke dafür zu sensibilisieren. Ich stelle immer wieder fest, auch das ist häufig die Ursache eines Fehlers, dass einfach Personen gar nicht wissen, dass es irgendwo Infos gibt. Das heißt, ihnen fehlt vielleicht punktuell die Kenntnis, dass ich das nachgucken könnte, dass es irgendwo steht. Das heißt, auch in diesem Fall kann man ganz viel Wissen punktuell wieder hervorzaubern, indem man darauf aufmerksam macht, hier Packungsbeilage bitte noch mal lesen oder bei uns stehen die Leitlinien, die wir entwickelt haben für unsere Klinik spezifisch eben auch für unsere Krankheitsbilder im sogenannten Intranet, dass man da auf den Button klickt und dann nach Organen suchen kann, wo welche Leitlinie steht. Ja, und dann natürlich geht es für uns Apotheker wieder darum, dass wir auch darauf achten, dass die Dosis adäquat ist und dann sind wir schon, jetzt doppeln wir uns schon fast, auch da haben wir kräftige Patienten. Muss man bei einem adipösen Patienten eine andere Dosis finden, dann natürlich Anpassungen an die Nierenfunktion, auch das ist 'n großes Thema. Spiegelbestimmung, dass die Antibiotika so dosiert und auch so appliziert werden –wir haben prolongierte Applikationszeiten – dass die minimale Hemmkonzentration erreicht wird und optimal ausgenutzt wird. Und da sind wir Apotheker, in meinem Team sind vier Stück mit der Weiterbildung, gut gefordert, aber die Tipps werden auch dankend angenommen.

AXEL SCHWARZ

Das glaube ich sofort. Ist denn da der Zugriff dann auch für niedergelassene Ärzte möglich, weil tatsächlich, das ist ja auch was, was wir in den Apotheken vor Ort schon auch immer wieder merken, wow, die Frequenz der Antibiosen ist vielleicht 'n bisschen hoch oder braucht's das jetzt wirklich dieses Antibiotikum? Klar, das können wir natürlich nur bedingt beurteilen, aber dann auf der anderen Seite auch wieder den Patienten da zu haben, der sagt, der Arzt nimmt mich überhaupt nicht ernst, der hat mir kein Antibiotikum verordnet.

DR. GESINE PICKSAK

Ja, also es ist nicht so, dass jetzt die niedergelassenen Ärzte auf unsere Leitlinien zugreifen können, aber wenn jetzt ein Arzt den Kontakt zu uns suchen würde, dann würden wir natürlich aushelfen. Also so ist das nicht. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Leitlinien fürs Krankenhaus gemacht sind. Das bedeutet auch, dass wir in der Klinik viel parenteral applizieren, das das heißt, IV-Applikationen haben. Die natürlich dann so für den niedergelassenen Bereich nicht gefragt sind. Aber was wir machen können, ist, unterstützen beim Oralisieren. Das tun wir vielleicht in den Kliniken auch immer noch nicht rechtzeitig genug. Das heißt, wenn man jetzt vielleicht auch noch mal die Kosten mit ins Spiel bringen kann, orale Gaben sind in der Regel preiswerter als IV-Gaben, sodass wir da natürlich auch zusehen würden, dass wenn ein Patient mit Antibiotika entlassen werden muss, dass er dann eben oralisiert wird. Und wenn es da zurückfragen gibt, können wir natürlich gerne unterstützen oder aber was ich noch empfehlen kann, ich finde, dass die ABDA wunderbare Äquivalenzdosen-Tabellen herausgegeben. Und wenn ich mich als Apotheker informiere, wo das Problem des Patienten ist, sei es irgendwie Mund Rachen Raum, die Lunge oder ist es eine Wundinfektion, da kann ich mich anhand dieser Tabellen auch gut informieren, was ich vielleicht alternativ geben kann.

AXEL SCHWARZ

Diese Leitlinien packen wir dann später dann natürlich auch noch in die Shownotes von unserem Podcast. Wir kommen noch mal zu der Verordnung. Hier nimmt ja das E-Rezept immer mehr Raum ein bei uns in der Praxis, in der Apotheke vor Ort. Wie sieht's denn da in der Klinik aus, was das Thema Digitalisierung betrifft und damit natürlich auch Vermeidung von Medikationsfehlern?

DR. GESINE PICKSAK

Ja, das ist ein gutes Thema. Digitalisierung ist in den Krankenhäusern groß geschrieben. Viele Kliniken in Deutschland haben ganze Zentren dazu gebildet oder einzelne Abteilungen, die sich nur damit beschäftigen. Man muss allerdings sagen, dass das ja E-Rezept, das elektronische Rezept in den Krankenhäusern noch etwas zurücksteht. Das heißt, wir sind nicht oder noch nicht so flächendeckend unterwegs wie im niedergelassenen Bereich. Das hat etwas damit zu tun, dass vielleicht auch so manche Verordnung aus dem Krankenhaus komplexer ist. Wenn ich jetzt, also ich hab als Beispiel im Kopf eine Zytostatika Verordnung, da muss ich ja auch son bisschen gucken, damit kann ja der Patient auch nicht in jede Apotheke gehen, sondern nur in eine Apotheke, die eben auch Zytostatika herstellen kann. Und bei uns in Hannover arbeiten wir mit Hochdruck da dran, dass wir auch eben die elektronischen Rezepte und die Einführung der ePA umgesetzt bekommen. Das denke ich, wird auch in anderen Kliniken so sein, dass wir daran arbeiten.

AXEL SCHWARZ

Wie ist es denn so, die Zusammenarbeit zwischen jetzt euch in der Klinik als Apothekern und dann mit Apothekern vor Ort? Also ich hab dann doch immer wieder auch den Fall gehabt, dass es notwendig war, nicht nur im Notdienst, sondern einfach auch dann noch mal Rückfrage zu halten, einfach eine Unsicherheit auszuräumen. Passt das bei euch in den Alltag? Wie viel Kontaktpunkte hast Du da?

DR. GESINE PICKSAK

Also ich persönlich würde mir mehr Austausch wünschen. Ich würde mir auch mehr Austausch wünschen, was zum Beispiel so auf Fortbildung oder auch interprofessionelle Zusammenarbeit angeht. Interprofessionell würde ich sogar anteilig auch den Krankenhausapotheker mit dem Offizinsapotheker sehen, abgesehen davon, dass wir ja auch Hausärzte haben und Klinikärzte. Also es gibt Apotheken, die kontaktieren uns, die haben Nachfragen. Ganz, ganz häufig betrifft es eben die unsterile Herstellung, so Säfte und Kapseln, die wir speziell herstellen oder halbfeste Arzneiformen, Cremes, Salben und so weiter, die aus unserer Dermatologie rausverordnet werden. Aber wenn ich ehrlich bin, für mich könnte der Austausch noch mehr sein. Ich freu mich immer, wenn jemand anruft, weil jeder muss ja nicht das Rad neu erfinden, gerade so was den Austausch und auch den Kontakt, Tipps und Tricks angeht. Wie kriegt ihr irgendetwas in eine Grundlage eingemischt? Da kann man sich gut untereinander unterstützen und so sollte man das auch sehen. Auch ich habe Defizite, dass ich manchmal mir wünschen würde, ich hätte jetzt son Telefonjoker und könnte jemanden in der öffentlichen Apotheke anrufen und einfach mal nachfragen, was man so grade freiverkäuflich macht, weil wir ja doch in der Klinik sehr viel mit rezeptpflichtigen Medikamenten umgehen.

AXEL SCHWARZ

Ja und tatsächlich ja auch mit Wirkstoffen, die es zum Teil in der Apotheke vor Ort ja gar nicht gibt. Also zuletzt bei dem Besuch in der Klinik habe ich dann auch auf die Infusionen geschaut und was da so dranhängt und den Wirkstoffnamen musste ich zu Hause erst mal noch mal nachlesen.

DR. GESINE PICKSAK

Das stimmt.

AXEL SCHWARZ

Medikationsfehler ist ja auch unser Thema. Gibt es denn da auch grade so – wir haben das Thema Verordnung besprochen, wir haben das Thema Applikation besprochen – gibt es grade dann vielleicht auch durch die Digitalisierung unterstützt Möglichkeiten, hier auch noch dann in der Zusammenarbeit zwischen Klinik, Hausarzt und Apotheke noch für Erleichterungen oder auch für Verbesserungen zu sorgen?

DR. GESINE PICKSAK

Also mit Sicherheit. Ich glaube, dass man nie ganz fertig ist, irgendwie Fehler zu vermeiden. Man kann immer irgendetwas besser machen und das, wo drauf wir alle achten sollten, ist, dass Verordnungen vollständig sind. Also dazu gehört 'n Wirkstoff, dazu gehört eine Dosisangabe, dazu gehört auch eine Arzneiform und am allerbesten eben auch so was wie 'n Medikationsplan und ich möchte wirklich alle bitten, dass 'n Medikationsplan bitte nicht erst nur ab fünf Medikamenten ausgefüllt wird, sondern der kann auch schon bei drei Medikamenten notwendig sein, grade wenn wir Patienten haben, die, bevor sie zum Beispiel in die Klinik kamen, nicht krank waren. Dann gab es ein Ereignis und auf einmal haben sie Bluthochdruck, die sind vielleicht schon mit drei Arzneimitteln überfordert und da würde ich auch die öffentlichen Apotheken bitten, dass die gut auf die aus dem Krankenhaus entlassenen Patienten aufpassen, weil das ist eine riesige Umstellung, wenn man vorher nicht krank war und jetzt ist man auf einmal krank. Die können, glaube ich, gut Unterstützung gebrauchen und sind wahrscheinlich auch sehr dankbare Patienten, vielleicht auch für die nächste erweiterte Medikationsberatung, dass man da die sich noch mal, ja, schnappt und dann in einem Extratermin dann noch einmal 'n bisschen mehr schult, als wir's können. Es sind unheimlich viele Eindrücke in der Klinik. Ich glaube, dass viele Patienten überfordert sind und ruhige Minuten im niedergelassenen Bereich noch mal nutzen können, um ihr Wissen aufzufrischen.

AXEL SCHWARZ

Meinst Du damit dann auch son bisschen, weil Du gerade gesagt hast, es ist eine enorme Unterscheidung oder 'n enormer Unterschied zu früher, ich geh gesund in die Klinik rein in Anführungszeichen oder war davor gesund und komm danach dann krank raus, dass man auch den emotionalen Aspekt, der dann natürlich auch ganz enorm mitschwingt, in der Apotheke dann noch mal abbildet, ihm Raum gibt?

DR. GESINE PICKSAK

Ja, da davon bin ich auch überzeugt. Ich habe häufig das Gefühl, jetzt bin ich ja auf Intensivstation, aber die Patienten sind gestresst. Das fängt schon damit an, dass man eine ungewohnte Umgebung hat. Viele sind auch emotional belastet, dass sie jetzt auf einmal so krank sind. Hinzu kommen die Angehörigen, die ja dann auch Emotionen übertragen. Und ja, wie gesagt, die meisten Patienten gehen mit Medikamenten nach Hause und sind auch häufig traurig, dass sie jetzt auf einmal Medikamente einnehmen müssen, vielleicht auch für eine Erkrankung, die sie vorher nicht gespürt haben. Dazu gehört ja auch der Bluthochdruck. Das tun ja dann viele Patienten auch ab und sagen, na ja, mit den Medikamenten fühle ich mich schwindelig, ich komm nicht in die Gänge, ja, weil sie noch nicht eingestellt sind. Ist ja nicht so schön wie bei Schmerzmitteln, wo der Patient recht schnell einen Erfolg verspürt, dass die Schmerzen weniger werden. Also da kann man viel Gutes tun, wenn man die Patienten noch mal motiviert, vielleicht sich noch mal in Ruhe über die Medikamente auszutauschen und da noch Tipps und Tricks zu geben. Das kommt bei uns in der Klinik viel zu kurz.

AXEL SCHWARZ

Seit 2017 gibt es ja zum Glück das Entlassrezept und aus meiner Praxis, ich kann nur sagen, ich war total dankbar, weil diese klassischen Freitagabend Patienten, die aufschlagen und sagen, ich hab keine Medikamente, ich komme aus der Klinik, die haben dann doch für Stress gesorgt. Gibt es in diesem Übergang von der Klinik in die, ja, ambulante Versorgung in Anführungszeichen aus deiner Sicht noch Sachen, die da vielleicht auch gut wären oder wo man noch nachbessern könnte?

DR. GESINE PICKSAK

Also ich würde mir wünschen, dass wir wirklich die Möglichkeit erhalten und auch ein bisschen die Zeit dafür, dass vielleicht wir aus der Krankenhausapotheke heraus oder vielleicht auch aus dem Setting des Stationsapothekers mit der öffentlichen Apotheke, die den Patienten versorgt oder auch mit dem Hausarzt, der die Weiterbehandlung übernimmt, in den Austausch treten könnten. Da denke ich, kann man viele Baustellen oder vielleicht auch Missverständnisse ausräumen im Vorfeld und damit auch die Therapie sicherer machen für den Patienten. Und das Zweite ist, Entlassrezepte sind für mich son bisschen Fluch und Segen. Ich hab immer Sorgen, dass auch Medikamente möglicherweise darauf verordnet werden, die dann vielleicht in der öffentlichen Apotheke wieder nicht vorrätig sind. Wir sprechen ja leider Gottes nicht nur von Metamizol-Tabletten. Und vielleicht einem Pantoprazol, was der Patient noch so ein bisschen weiter nehmen soll. Da versuche ich immer, die Ärzte auch zu sensibilisieren, dass sie sich einmal Gedanken darüber machen, was sie da drauf verordnen, ja, damit einfach dann auch wirklich die Schnittstelle, so wie das Entlassrezept gedacht war, ja, nahtlos funktionieren kann.

AXEL SCHWARZ

Da kann ich nur zurückspielen aus meiner Praxis, wirklich die Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern, die Ärzte, die die Rezepte ausstellen, zu sensibilisieren und zu sagen, gehen Sie gleich in die Apotheke, weil natürlich eben auch die kleinen Packungen, die ja verpflichtend zu verordnen sind, dann doch häufig nicht auf Lager sind, außer man ist wirklich direkt um die Ecke, weil dann weiß man schon, da kommen die Leute aus der Klinik, aber da krampt natürlich dann noch mal 'n Bestellvorgang rein und der kann noch eine Verzögerung bringen, grade für Patienten, die dann aus der Klinik kommen, haben sie genug andere Themen als jetzt, zu gucken, oh Gott, wie kriege ich jetzt meine Medikamente? Wir haben über die Digitalisierung gesprochen und die ganzen Vorteile, die das bringt, nicht nur um Medikationsfehler zu vermeiden. Es hat aber natürlich auch was damit zu tun, dass dann solche Hörfehler nicht mehr stattfinden wie früher, wenn ich sage, ich wollt eigentlich 'n Cotrimoxazol und hab 'n Clotrimazol verordnet, oder?

DR. GESINE PICKSAK

Ja, allerdings spielt für mich da auch noch wieder 'n anderer Aspekt rein. Wir haben ja auch inzwischen viele Patienten, die vielleicht nicht deutsche Muttersprachler sind, genauso wie auch Ärzte, sodass wir da in der Klinik wieder eine neue Hürde haben, dass wir diesbezüglich vielleicht eine gute Sensibilisierung herbeigeführt haben, aber jetzt praktisch mit Begriffen, die vielleicht in der anderen Muttersprache üblich sind, zu tun bekommen. Oder noch ein Aspekt, speziell aus der Klinik, viele von uns verordnen elektronisch Medikamente. Das heißt, wir haben eine elektronische Verordnungskurve, kein Papier mehr. Und wenn ich da drei, vier Buchstaben eingebe, kommt eine sogenannte Hitliste, aus der ich auswählen kann. Und dann kann es sein, dass ich vielleicht für einen Patienten, der an Epilepsie erkrankt ist, Lacosamid verordnen wollte, was korrekt wäre, aber auf einmal ist die Lactulose, das Abführmittel drin, weil ich vielleicht zu schnell klicke. Das ist jetzt bisschen Soundalike, wie wir das nennen, wenn Medikamente gleich klingen, aber auch 'n bisschen vielleicht Lookalike, weil eben die Wörter gleich anfangen.

AXEL SCHWARZ

Also letztendlich zeigt's im Endeffekt wirklich wieder, wie wichtig es ist, dass wir den Patienten dann auch in der Apotheke vor Ort, wenn er aus dem Krankenhaus aufnehmen, ihn sowohl emotional abholen, aber gleichzeitig auch noch mal seine Medikation durchsprechen, im besten Fall anhand eines Medikationsplans. Gibt's da irgendwas, Gesine, was Du dir on top oder darüber hinaus noch wünschen würdest neben dem Austausch, zwischen Krankenhaus und der Apotheke?

DR. GESINE PICKSAK

Ja, also ich wünsche mir und freue mich jedes Mal, wenn es passiert, dass wir offen über Fehler sprechen, die passiert sind, wie vielleicht mein Beispiel mit dem Teilen. Ich wäre da bis dato so nie drauf gekommen und dadurch, dass ich von einem anderen Kollegen sensibilisiert wurde, kann ich jetzt praktisch versuchen zu verhindern, dass dieser Fehler in meinem Setting so passiert und genauso auch, was so Sound- und Lookalikes angeht, also Wirkstoffe oder Präparate, die ähnlich klingen oder ähnlich aussehen, auch das sehe ich manchmal nicht. Da bin ich angewiesen auf die Pflegekräfte im Pflegeheim oder auf Stationen, die mir dann einfach ein Foto zeigen und wer hat heute nicht irgendwie 'n Handy auf Tasche, dass man dort sensibilisiert ist, wenn auch Patienten sagen, Mensch, schauen Sie sich das mal an, die sehen ja alle gleich aus und erst dann verstehe ich dann vielleicht, dass aus Methotrexat Metoprolol geworden ist oder umgekehrt, dass dann eben auch das MTX aus Versehen zu Hause, weil die Packung und der Name annähernd gleich aussehen, aus Versehen dann zweimal täglich gestellt wurden und alle wissen, was passiert, wenn man MTX zu viel und zu häufig einnimmt, dass das gravierende Folgen haben kann. Also dass wir sensibilisiert sind, wünsche ich mir, dass wir uns offen austauschen. Und das, was ich persönlich mir noch mehr wünschen würde, ist der interprofessionelle Austausch, also nicht nur zwischen Krankenhausapothekern und öffentlicher Apotheke, sondern für mich gehören da maßgeblich auch die Ärzte dazu. Wir in der Klinik, heißt es ja immer, haben einen anderen Draht zu unseren Ärzten. Das mag auch sein. Da gibt es natürlich auch andere Ärzte immer wieder, aber auch, dass in niedergelassenen Bereich sich die Ärzte drauf einlassen und dann hoffentlich auch merken, was der Apotheker kann. Wir können den Ärzten ja auch viel abnehmen. Wir haben andere Möglichkeiten in Gespräche reinzugehen, sodass ich immer denke, wenn der Arzt offen wäre, dann könnte der Apotheker auch viel mehr, ich nenn's immer den Erklärbär übernehmen, was wir jetzt ja auch tun bei Inhalativa, dass wir die Patienten schulen für Bluthochdruck-Medikamente, Nebenwirkungen und auch was das Messen angeht, dass das wertgeschätzt wird von den niedergelassenen Kollegen, sodass man da auch, glaube ich, noch viel für unsere gemeinsamen Patienten rausholen könnte.

AXEL SCHWARZ

Hier verweise ich an der Stelle gleich noch mal auf unsere anderen Folgen bei Impact, das Thema Kommunikation, Kommunikation mit Ärzten, wo ja doch die eine oder andere Kollegin immer noch eine Hürde hat, verständlicherweise zum Teil, aber da appellierst Du ja auch noch mal dran, forsch reinzugehen sozusagen.

DR. GESINE PICKSAK

Auf jeden Fall.

AXEL SCHWARZ

Sehr gut, Gesine. Ich hab 'n sehr, sehr schönen Einblick von dir bekommen, wie denn das Leben einer Krankenhausapothekerin ausschaut und ich bedank mich an der Stelle bei dir für das schöne Gespräch rund Medikationsfehler im Krankenhaus.

DR. GESINE PICKSAK

Ja, ich danke euch, dass ich mitmachen durfte und wie gesagt, Medikationsfehler sind extrem spannend. Für mich gibt's nichts Spannenderes.

AXEL SCHWARZ

In der nächsten von Impact dreht sich alles rund um die pharmazeutischen Dienstleistungen und wie wir sie in der Apotheke am besten auf die Straße bekommen. Hierbei werde ich mich mit Frau Dr. Katja Renner unterhalten. Wenn ihr Fragen, Wünsche oder Anregungen habt, könnt ihr uns natürlich auch schreiben an redaktion@gesundheit-hoeren.de oder ihr schaut bei gesundheit-hören einfach auch im Internet mal vorbei. Da gibt es noch viele weitere spannende Formate für euch. Ein großes Dankeschön geht raus an den AVOXA Content Service für die Vorbereitung der heutigen Folge. Und ja, lasst uns gerne auch eine Bewertung da, ist natürlich eine gute bei Spotify, Apple Podcast oder wo auch immer ihr uns hört. Ich freue mich, wenn ihr das nächste Mal wieder mit dabei seid. Servus!

SPRECHER

Impact – der Podcast für die Apotheke. Von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.

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